Deutsche Weltrekorde und Phelps’ Boykott
(15.11.2009) Die Siege von Paul Biedermann und Steffen Deibler waren die Highlights des Weltcups in Berlin. Ein großer Teil der Weltelite ging hier am Wochenende an den Start und sorgte für 16 Weltrekorde in zwei Tagen und dafür, dass die Station in Berlin der Höhepunkt der Weltcup-Serie wurde. Insgesamt sieben Mal kletterten auch Sportler des DSV zur Siegerehrung auf das Podest. Für Diskussionen sorgte der ”Hightech-Verzicht” von Michael Phelps und dessen Leistungen.
Die Fans in der ausverkauften Schwimmhalle an der Landsberger Allee in Berlin kamen am Wochenende voll auf ihre Kosten. Mit seinem Sieg über die 400 Meter Freistil unterbot Paul Biedermann in 3:32,77 Minuten den alten Weltrekord von Schwimm-Legende Grant Hackett und brachte das Publikum regelrecht zum Kochen. „Der Weltrekord war nicht mein erklärtes Ziel“, so der Doppelweltmeister, “ich wusste gar nicht so recht, wo ich eigentlich stehe.” Und tatsächlich sah es zunächst noch nicht nach einer solchen Zeit aus, doch Biedermann warf am Ende den Turbo an und schwamm die zweite Hälfte der Strecke sogar schneller als die ersten 200 Meter. Vor dem Rest des Feldes hatte er am Ende sogar fünf Sekunden Vorsprung. Am Sonntag legte er über die 200 Meter Freistil nach und unterbot in 1:39,37 Minuten seine eigene Bestmarke, die er im vergangenen Jahr an selber Stelle geschwommen war, um anderthalb Sekunden.
Sieben deutsche Podestplätze beim Weltcup
Doch nicht nur Biedermann sorgte aus deutscher Sicht für Glanzlichter. Steffen Deibler stellte zum Abschluss des ersten Wettkampftages einen Weltrekord über 50 Meter Schmetterling in 21,80 Sekunden auf. Dabei unterbot er in einem hauchdünnen Rennen seine eigene Bestmarke um gut zweieinhalb Zehntel. “Ich hatte wirklich nicht gedacht, dass ich nach diesem Rennen immer noch den Weltrekord halte“, so der 22-Jährige. Über die 50 Meter Freistil kam er zudem in 20,73 Sekunden auf den dritten Platz. Insgesamt konnte sich der Deutsche Schwimm-Verband in Berlin über mehr als ein halbes Dutzend Podestplätze freuen. Die Vize-Weltmeisterin Daniela Samulski wurde Zweite über 50 Meter Rücken in 26,21 Sekunden. Die 17-jährige Theresa Michalak kam auf den 200 Meter Lagen in 2:07,65 Minuten auf Platz drei, ebenso wie Christian Kubusch in 14:35,10 Minuten über die 1500 Meter Freistil. Janne Schäfer wurde Zweite über 50 Meter Brust in 29,55 Sekunden.
16 Weltrekorde in zwei Tagen
Der Sieg in diesem Rennen ging an Jessica Hardy in Weltrekordzeit von 28,80 Sekunden. Die Weltcupgesamtführende sorgte für spannende Duelle mit Leisel Jones, die nach einem Jahr Pause wieder zurück im Schwimmsport ist und über die 50 Brust am Ende Dritte wurde. Über die doppelte Distanz hatte sie am Samstag noch die Nase vorn und siegte in Weltrekordzeit von 1:03,00. Hardy blieb hier zwar ebenfalls unter der alten Bestmarke, war aber drei Zehntel langsamer als die 24-jährige Australierin. Auch bei den Männern gab es auf den Bruststrecken mit Cameron van der Burgh einen herrausstechenden Namen. Der Südafrikaner sorgte mit seiner Zeit von 25,25 Sekunden für 1144 Zähler und damit der punktbesten Leistung, für die er mit einem Auto prämiert wurde. Neben zahlreichen deutschen und europäischen Rekorden erzielten die Schwimmer erwartungsgemäß weitere Weltrekorde. 16 Stück fielen an den beiden Tagen in Berlin und damit fast soviele wie bei den anderen Weltcup-Stationen zusammen (18). Hier die Liste der in Berlin aufgestellten Bestmarken:
100m Lagen – Sergey Fesikov (RUS) 50,95
50m Brust – Cameron Van Der Burgh (RSA) 25,25
100m Brust – Leisel Jones (AUS) 1:03,00
400m Freistil – Paul Biedermann (GER) 3:32,77
200m Rücken – Shiho Sakai (JPN) 2:00,18
50m Schmetterling – Steffen Deibler (GER) 21,80
200m Freistil – Paul Biedermann (GER) 1:39,37
50m Brust – Jessica Hardy (USA) 28,80
100m Brust – Cameron Van Der Burgh (RSA) 55,61
100m Schmetterling – Evgeny Korotshkin (RUS) 48,48
100m Rücken – Sahiho Sakai (JPN) 55,23
200m Schmetterling – Liu Zige (CHN) 2:00,78
200m Lagen – Darian Townsend (RSA) 1:51,55
200m Brust – Leisel Jones (AUS) 2:15,42
100m Lagen – Hinkelien Schreuder (NED) 57,74
200m Rücken – Arkady Vyatchanin (RUS) 1:46,11
Phelps bewusst unterlegen
Für eher durchwachsene Leistungen sorgte US-Star Michael Phelps. Am Samstag wurde er über 200 Schmetterling in 1:52,26 Minuten Fünfter, schied über die 100 Meter Lagen im Vorlauf aus. Auch aus dem “Duell” gegen Paul Biedermann über 200 Meter Freistil wurde nichts, da der Rekord-Olympiasieger auch hier das Finale nicht erreichte. Seinen Start über 200 Meter Rücken sagte er ab. Auf den 200 Meter Lagen kam er zwar “nur” auf Rang Zwei, war in 1:53,70 Minuten aber schneller als seine alte “anzuglose” Bestzeit, welche allerdings schon einige Jahre alt war. Wie angekündigt trat Phelps nur in knielanger Badehose an. “Ich bereite mich bereits auf die Zukunft vor“, rechtfertigte er seinen Hightech-Boykott. Auch wenn er zwar selbst im Vorfeld bereits erklärte, sich nicht in der Form zu fühlen, Spitzenzeiten zu schwimmen, hatte er mit dem Verzicht auf seinen gewohnten “LZR Racer”-Anzug natürlich eine gute Begründung für so etwas Ungewöhnliches wie ein Ausscheiden im Vorlauf. Bundestrainer Dirk Lange kann nicht ganz nachvollziehen wieso Phelps diesen Schritt ging. Einige andere halten es für eine Art Image-Schutz. Eine erneute Niederlage gegen Biedermann hätte sich sicher nicht zu Phelps’ Vorteil ausgewirkt. So gilt er nun im Gegenteil als Vorreiter, der mit “fairen” Waffen kämpfen wolle. Bei Phelps und Trainer Bowman ist nach wie vor die Einsicht nicht gereift, dass es im vergangenen Jahr sie selbst waren, die von High-Tech profitierten und letztendlich zu den Entwicklungen der High-Tech-Ära stark beitrugen. Zahlreiche Stimmen der Berichterstattung aus Übersee sehen nun den schwarzen Peter bei Paul Biedermann, der sich lieber die Prämien der FINA abholte, statt wie Phelps auf den Hightech-Anzug zu verzichten - eine Position, die man sich durchaus leisten kann, wenn man millionenschwere Sponsoring-Verträge vorzuweisen hat und mit der Phelps in Berlin auch weitestgehend allein war. Auch der Rest des von Biedermann über 400 Freistil mit fünf Sekunden fast schon deklassierten Feldes und mit wenigen Ausnahmen die meisten Teilnehmer der restlichen Finals starteten in den ab kommenden Jahr verbotenen Anzügen. Mit Spannung kann dann auf die Kurzbahn-Weltmeisterschaften in Dubai geschaut werden.







[...] in 01:40,83 Minuten zumindest halbwegs im Bereich der Hightech-Marke (01:39,37), die er beim Weltcup in Berlin aufgestellt hatte. Auch auf der 25-Meter-Bahn ist die “alte” 1500 Freistil-Zeit von [...]