2009: Titel, Rekorde und das Ende des Anzug-Jahrzehnts
Das Jahr 2009 hatte für die deutschen Schwimmsportfans einiges an Highlights zu bieten: Drei Doppelweltmeister, Überraschungsmedaillen bei der Kurzbahn-EM und Weltrekorde durch die DSV-Sportler. Doch mit dem Silvestertag geht auch eine Ära im Schwimmsport zu Ende. Ab dem nächsten Jahr werden die Anzüge, die in diesem Jahr für mehr als 140 Weltrekorde sorgten, verboten sein.
Es war das Jahr des Paul Biedermann. Bei der WM in Italien schaffte er endgültig den Durchbruch und ist nun nicht mehr nur den eingefleischten Schwimmfans ein Begriff. Über die 200 Meter Freistil fügte der 23-Jährige dem Star des Schwimmsports schlechthin, Michael Phelps, eine schmerzhafte Niederlage zu, stahl ihm hier Titel und Weltrekord. Auf der doppelten Distanz nahm der Hallenser zudem Schwimm-Legende Ian Thorpe den Weltrekord ab. Erfolge mit denen man bei den Weltmeisterschaften wohl nur bedingt gerechnet hatte. Medaillengarant Britta Steffen sicherte sich nach ihren Olympiasiegen im vergangenen Jahr auch die Weltmeister-Titel über 50 und 100 Meter Freistil und zählt nun wohl endgültig als beste Freistil-Sprinterin der Welt. Am Ende lagen die deutschen Sportler sogar auf Rang zwei im Medaillenspiegel der Beckenwettbewerbe. Abgerundet wurde das gute Ergebnis durch die Erfolge der Langstrecken-Schwimmer mit Angela Maurers Titel über die 25 Kilometer und dem Doppelgold von Thomas Lurz über 5 und 10 Kilometer.
Auch während der Kurzbahn-Saison surften die deutschen Schwimmer auf der Erfolgswelle. Beim Weltcup in Berlin trug das heimische Publikum nicht nur Paul Biedermann zu Weltrekorden, auch Steffen Deibler stellte über die 50 Meter Schmetterling ein Bestmarke für die Ewigkeit auf. Bei der Kurzbahn-Europameisterschaft in Istanbul übte das deutsche Team zum Saison-Abschluss Wiedergutmachung für das enttäuschende Abschneiden im vergangenen Jahr. Neben den beiden Titeln von Paul Biedermann überraschten mit Caroline Ruhnau, Jan Wolfgarten und Johannes Dietrich Schwimmer, die man für einen Titel kaum auf der Rechnung hatte. Die EM bestätigte den Aufwärtstrend des Deutschen Schwimm-Verbandes nach dem enttäuschenden Olympiajahr.
Das Ende des “Anzug-Jahrzehnt”
Insgesamt sieben Mal stehen deutsche Namen in den aktuellen Weltrekordlisten, alle diese Bestmarken wurden in diesem Jahr aufgestellt und werden wohl für lange Zeit bestehen bleiben. Ab dem kommenden Jahr wird der Schwimmsport ein anderes Erscheinungsbild haben. Auf dem Kongress des Weltverbandes FINA im Sommer stimmten die Delegierten mit großer Mehrheit für ein Verbot von “Hightech-Anzügen” und die FINA-Exekutive folgte ihnen darin. Ab 2010 dürfen nur noch textile Materialien verwendet werden, die Männer dürfen sogar nur noch Shorts tragen. Damit endet eine Entwicklung, die bereits vor fast zehn Jahren begann. Damals sorgte Australiens Schwimmstar Ian Thorpe für Aufsehen, als er bei den Olympischen Spielen 2000 in einem den ganzen Körper bedeckenden Schwimmanzug startete. Im vergangenen Jahrzehnt wurden diese Anzüge mit dem Ziel für mehr Gleitfähigkeit zu sorgen weiterentwickelt. Vor den Olympischen Spielen 2008 dann entzweite der so genannte LZR-Racer von Speedo die Schwimmwelt. Er ließ nicht nur besser gleiten, sondern sorgte durch wasserundurchlässige Materialien auch für zusätzlichen Auftrieb und damit deutliche Vorteile gegenüber Konkurrenten in “herkömmlichen” Textilien. Die komplett wasserundurchlässigen Anzüge in diesem Jahr setzten dann noch einmal einen drauf. Sie sorgten für eine Flut von je mehr als 140 Welt- und Europarekorden. Die Bestenlisten wurden auf den Kopf gestellt, lediglich auf den 1500-Meter Strecken bestehen noch ohne Hightechanzüge aufgestellte Bestmarken. Wie es mit den Weltrekorden nach dem “Plastik-Verbot” weitergeht steht noch nicht fest, auf zahlreichen Strecken dürften sie ohne die Materialunterstützung jedoch kaum erreichbar sein.
(Eine Version dieses Berichts erscheint auf sportme.de)

