Frankreich, Italien, Japan, Südafrika – Eine Woche, vier Meisterschaften
(19.04.2010) Die vergangene Woche hatte so einiges zu bieten für die Fans des Schwimmsports. Bei den französischen Meisterschaften sorgten vor allem die Freistil-Sprinter für Spitzenleistungen. In Italien war es Federica Pellegrini, die das Geschehen bei den Titelkämpfen dominierte. Schnelle Zeiten und Überraschungen kamen aus Japan und auch in Südafrika gab es die eine oder andere Top-Leistung zu bestaunen. (Ein Video von Kitajimas Niederlage über 200 Brust gibt es ebenfalls.)
In Frankreich waren es nicht nur die Sprinter, die ewartungsgemäß von sich reden machten. Auch der 17-Jährige Yannick Agnel rückte bei den Titelkämpfen endgültig in das Licht der Öffentlichkeit. Mit seinen Triumphen bei den Junioren-Europameisterschaften im vergangenen Jahr hatte er bereits sein Talent bewiesen. Im Jahr 2010 zeigt er nun, dass schon jetzt auch bei den “Großen” mit ihm zu rechnen ist. Mit seiner Weltjahresbestzeit im März über die 200 Meter Freistil ließ er bereits aufhorchen, bei den Titelkämpfen vergangene Woche setzte er nochmal einen drauf. Mit seiner 1:46,35 liegt er nicht nur vorn in der Weltrangliste, er ist auch schneller als es Michael Phelps in diesem Alter war (1:48,90) und auch der junge Ian Thorpe schwamm kaum besser (1:46,00). Durch den Sieg im Finale und seinen ersten nationalen Meistertitel in der offenen Klasse buchte er zudem das Ticket zur Europameisterschaft in Budapest. Auch mit seiner im Halbfinale gezeigten Leistung über 100 Meter Freistil von 48,99 Sekunden hat er bewiesen, dass er für sein Junioren-Alter den damaligen Zeiten von Schwimm-Stars wie Phelps, Alexander Popow, Pieter van den Hoogenband oder auch seines Landsmanns Alain Bernard bereits voraus ist. Es wird interessant sein, die Entwicklung von Agnel weiter zu beobachten. Paul Biedermann trifft auf seinen potentiellen EM-Konkurrenten möglicherweise zum ersten Mal bei der Mare Nostrum Tour in Monaco am 5. und 6. Juni.
Bernard mit Weltjahresbestzeit aber ohne Titel
Olympiasieger Alain Bernard hingegen zeigte bei den Titelkämpfe zwar gute Zeiten, doch ein Titel war dem 26-Jährigen nicht vergönnt. Im Halbfinale hatte er in 48,32 Sekunden noch die mit Abstand schnellste Zeit in diesem Jahr über die 100 Meter Freistil hingelegt, doch im Endlauf musste er sich Fabien Gilot geschlagen geben und war in 49,04 Sekunden deutlich langsamer. Möglicherweise war die Spannung nach der geschafften EM-Normzeit bereits etwas raus. Bei den französischen Meisterschaften galt es für die Athleten bei einigen Strecken die Qualifikationszeiten bereits im Semifinale zu unterbieten. Gilot schwamm in 48,52 Sekunden die zweitschnellste Zeit in diesem Jahr.
Auch über die 50 Meter Freistil gab es in Frankreich eine neue Weltjahresbestzeit. Fred Bousquet, der im Hightech-Anzug als erster die 21 Sekunden-Marke unterbot, schwamm in 21,71 Sekunden um sieben Hundertstel am Textil-Weltrekord von Alexander Popow vorbei. Über diese Strecke reihte sich ebenfalls Fabien Gilot (21,97) auf Platz zwei der Weltrangliste ein. Damit liegen sowohl über die 50 und 100 als auch 200 Meter Freistil französische Schwimmer ganz vorn in den Bestenlisten.
Hier ein Video des Finals über die 50 Meter Freistil:
Pellegrini sorgt für Glanzlichter in Italien
Während die Franzosen durchaus in der Lage waren die vorgegeben EM-Normen zu unterbieten, hatten die Schwimmer in Italien an den Qualifikationsnormen ihres Verbandes etwas mehr zu knabbern. Nur sieben Athleten gelang es unter den festgelegten Zeiten zu bleiben – allen voran Federica Pellegrini, die damit eher weniger Probleme hatte. Die Olympiasiegerin sorgte mit ihren beiden Weltjahresbestzeiten über die 400 Freistil (4:04,30) und die halbe Distanz für die Highlights der italienischen Meisterschaften in Riccione. Mit ihrer 1:56,23 ist sie über die 200 Freistil zudem die drittschnellste Frau in Textil-Anzügen. Nur Laure Manaudou in 1:55,23 und die Würzburgerin Annika Lurz in 1:55,68 Minuten (aktueller Deutscher Rekord) waren ohne Hightech schneller. Über die 800 Meter Freistil holte sich Pellegrini ebenfalls den Titel und das EM-Ticket.
Neben der Doppel-Weltmeisterin sorgte in Italien auch Samuel Pizetti für eine neue Weltjahresbestzeit. Am ersten Tag der Wettkämpfe setzte er sich in 7:51,42 Sekunden an die Spitze der Weltrangliste. Weitere fünf EM-Tickets gingen an Mirco di Tora (100 Rücken), Edoardo Giorgetti (100 Brust), Francesca Segat (200 Lagen), Filippo Magnini (200 Rücken) und Damiano Lestingi (200 Rücken) – eine durchaus übersichtliche Ausbeute für die italienischen Schwimmer.
Kitajima geht in Japan leer aus
Neben den Titelkämpfen in Europa, die im Hinblick auf die Schwimm-EM in Budapest natürlich von besonderem Interesse sind, ging es auch in Japan um die Meisterschaftsmedaillen. Mit Spannung wurden vor allem die Auftritte vom zweifachen Doppel-Olympiasieger Kusuke Kitajima erwartet – doch der Star blieb ohne Titel. Zwar legte der über die 50 Brust im Vorlauf in 27,30 Sekunden eine neue Weltjahresbestzeit hin, im Finale musste er sich dann jedoch Ryo Tateishi geschlagen geben. Dieser hatte auch die 100 Meter Brust in 59,84 Sekunden mit sieben Hundertsteln Vorsprung vor Kitajima gewonnen. Beide sind bisher die einzigen Athleten die über die 100 Brust in diesem Jahr unter einer Minute blieben. Besonders bitter lief für Kitajima das Finale über seine Haus- und Hof-Strecke, die 200 Brust. Zur Halbzeit noch in Führung liegend ging er letztlich ohne Medaille heim. Es siegte erneut Tateishi mit Weltjahresbestzeit von 2:09,21 Minuten.
Hier ein Video des Finales über die 200 Meter Brust:
Für neue Weltjahresbestzeiten sorgten in Japan außerdem auch Yuuya Horihata in 4:12,02 Minuten über die 400 Meter Lagen bei den Männern und Natsumi Hoshi in 2:07,27 Minuten bei den Frauen über 200 Meter Schmetterling.
Schoeman-Brüder in Südafrika schnell unterwegs
Die südafrikanischen Meisterschaften haben gezeigt, dass viele der Athleten deutlich mit dem Wegfall der Hightech-Anzüge zu kämpfen haben. Kurzbahn-Weltrekordler Cameron van der Burgh gewann zwar über die 100 Brust und schwamm hier jedoch im Halbfinale in 1:00,91 Minuten seine beste Zeit. Bei seinem Sieg über die 50 Meter gelang es ihm in 27,93 Sekunden unter der 28-Sekunden-Marke zu bleiben. Roland Schoeman zeigte über die 50 Meter Schmetterling in 23,58 Sekunden und 50 Meter Freistil in 22,04 Sekunden starke Leistungen, mit denen er auf Rang zwei und Rang drei der Weltranglisten liegt. Sein jüngerer Bruder Riaan schwamm über die 400 Meter Lagen in 4:14,80 Minuten die drittschnellste Zeit in diesem Jahr.
Weltranglisten werden langsam aussagekräftig
Nachdem nun die Australier, Briten, Niederländer und die oben genannten vier Nationen ihre Meisterschaften beziehungsweise Qualifikations-Wettkämpfe hinter sich haben, geben auch die Weltranglisten so langsam ein aussagekräftigeres Bild ab. Diese dürften für die deutsche Schwimm-Elite in diesem Jahr von besonderer Bedeutung sein, denn die Normzeiten für die Schwimm-EM in Budapest richten sich nach Platz 12 oder 14 der jeweiligen bereinigten Weltrangliste. Stichtag wird dafür der 1. Mai 2010 sein. Bis dahin sind international kaum noch größere Wettkämpfe angesetzt. Höchstens die Spanier, deren EM-Qualifikation vom 22. bis 25. April stattfindet, oder Chinesen, die im gleichen Zeitraum ihre Meisterschaften austragen, könnten sich noch in die Bestenlisten schwimmen. Die russischen Meisterschaften, die hier nochmal für Bewegung sorgen dürften, finden erst vom 4. bis 9. Mai statt. Demnächst wird es daher hier auf swimsportnews eine Einschätzung (!) geben, mit welchen Qualifikationszeiten man für die Schwimmer des DSV rechnen dürfte.






