Titel, Tickets und Talente – Der DSV-Nachwuchs lässt aufhorchen

By SeSc

(07.06.2010) Es gab einiges zu bestaunen bei den Deutschen Jahrgangs-meisterschaften in den vergangenen Tagen: Vier EM-Tickets, zahlreiche Sportler unter den Normen für die Junioren-Europameisterschaft, mehrere Altersklassenrekorde sowie einige aufstrebende Talente mit der Chance auch bei den “Großen” für Aufsehen zu sorgen. Insgesamt schickt der Deutsche Schwimm-Verband 30 Sportlerinnen und Sportler zur Junioren-EM vom 14.-18. Juli nach Helsiki. (Alle Sportler siehe unten.)

Erstmals wurde im Rahmen der Deutschen Jahrgangsmeisterschaften auch um Titel in der offenen Klasse geschwommen. „Die Qualifikation zu teilen, resultiert aus den Erfahrungen der WM von Rom. Sprinter und Mittelstreckler haben für ihre Vorbereitung den gleichen zeitlichen Abstand zur EM, wie in 2009 zur WM. Langstrecklern räumen wir dagegen einige Wochen mehr Zeit ein, um einen kompletten Makrozyklus noch vor die EM zu setzten“ begründete Bundestrainer Dirk Lange die Entscheidung. Bei den betroffenen Athleten sorgte die Entscheidung nicht nur für Zustimmung, doch letzlich konnten sich vier Schwimmer für die Schwimm-EM in Budapest qualifizieren. Isabelle Härle und Jaana Ehmcke holten sich ihr Ticket über die 1500 Meter Freistil. Bei den Herren gelang dies Christian Kubusch und Jan Wolfgarten über die 800 Meter Freistil.

Silke Lippok klopft bei “den Großen”

Abseits der Entscheidungen in der offenen Klasse sorgte vor allem ein Name für Aufsehen: Silke Lippok. Die Pforzheimerin gehörte schon in den vergangenen Jahren zu den Hoffnungen des DSV-Nachwuchses, nach ihren Leistungen bei den Jahrgangsmeisterschaften vergangene Woche darf sie sich nun auch berechtigte Hoffnungen auf die Qualifikation für ihre erste “große” internationale Meisterschaft machen. Mit Zeiten von 54,99 Sekunden über die 100 Meter Freistil und 1:58,78 Minuten über die doppelte Distanz war sie bereits schneller als die vom DSV geforderten Normen für die Schwimm-EM in Budapest. Bestätigt Lippok dies bei den Deutschen Meisterschaften in vier Wochen, führt vor allem im Hinblick auf die Staffeln kein Weg an einem EM-Ticket für sie vorbei. Wie dann die Junioren-EM, die vier Wochen vor den Titelkämpfen in Budapest stattfindet, in den Plan passt, bleibt abzuwarten. Zudem finden direkt im Anschluss an die Schwimm-EM vom 14. bis 26. August in Singapur die ersten Olympischen Jugendspiele statt.
In Berlin hatte Silke Lippok die Konkurrenz in ihrer Altersklasse im Griff. Insgesamt holte sich die 16-Jährige sieben Meistertitel (50, 100 und 200 Freistil, 50 und 100 Meter Schmetterling, 50 und 100 Meter Rücken).

DSV-Mädchen lassen hoffen

Neben Silke Lippok überzeugten auch zahlreiche weitere Athleten bei der DJaM, im Hinblick auf die JEM vor allem die Mädchen. „In diesem Jahr sind die Frauen das starke Geschlecht in meiner Mannschaft und haben ein größeres Medaillenpotential als die Männer. Um die dreifache Titelträgerin aus 2009, Silke Lippok, haben sich mit Johanna Friedrich, Juliane Reinhold und Alexandra Wenk weitere Talente gruppiert und mit sehr guten Leistungen in Berlin auf sich aufmerksam gemacht,” so Junioren-Bundestrainer Achim Jedamsky. Vor allem die einen Jahrgang jüngere Alexandra Wenk (SG Stadtwerke München) tat es Lippok gleich und schwamm ihren Alterskolleginnen davon. Mit fünf Titeln (200 und 400 Lagen, 50 und 100 Rücken, 100 Schmetterling) war sie die erfolgreichste Sportlerin im Jahrgang 1995.
Über die Bruststrecken überzeugte Lina Rathsack (SC Riesa – Foto), die sich auf allen drei Distanzen die Jahrgangstitel holte. Mit ihren Zeiten von 32,15 auf 50, 1:10,45 über die 100 und 2:32,44 auf den 200 Metern Brust ist auch sie nicht allzu weit weg von den EM-Normen, doch hier muss die starke nationale Konkurrenz im Hinterkopf behalten werden.

Vom Lehn überzeugt – Noch Luft bei den Jungen

Bei den Jungen gelang Christian vom Lehn (SG Bayer W´tal/Uerd./Dor.) das Triple über die Bruststrecken. Über die 100 Meter Brust blieb er dabei in 1:01,85 Minuten nur knapp drei Zehntel über der bei den Deutschen Meisterschaften fälligen Norm für die Schwimm-EM in Budapest. Auch auf der doppelten Distanz liegt er in 2:13,38 Minuten in Schlagdistanz.
Hinter vom Lehn wird es jedoch schnell dünn im Team des DSV. Auf den Rückenstrecken sticht vor allem der Christian Diener (PSV Cottbus 90) heraus, auf den Lagen-Distanzen ist Paul Wudtke (SG Berliner Wasserratten 1889) zu nennen. Ein Loch klafft vor allem bei den Freistil-Schwimmern. Hier konnte kaum einer der Junioren die Normen des DSV unterbieten. Lediglich Kevin Leithold (Bitterfelder SV 1990) hält die Fahne hoch. Auch über die 50 und 100 Meter Schmetterling blieb in den JEM-Finals keiner der DSV-Jungen unter der JEM-Richtzeit.

Zielvorgabe: Ein dutzend Medaillen

Trotzdem zeigt sich Achim Jedamsky zuversichtlich. „Wir wollen auch in diesem Jahr zu den führenden Nationen im europäischen Schwimmsport gehören. Als Ziel sind zwölf bis 15 Medaillen durchaus realistisch“, schätzt er die Chancen für das DSV-Team ein. Dabei bleibt allerdings abzuwarten, wie die Sommerplanung bei den Nachwuchshoffnungen wie der dreifachen Titelverteidigerin Lippok oder auch Christian vom Lehn aussehen werden. Im vergangenen Jahr sammelte das JEM-Team des DSV insgesamt 15 Medaillen bei den Titelkämpfen in Prag und belegte hinter Italien den zweiten Rang im Medaillenspiegel.

Altersklassen-Rekorde auch ohne Hightech

Bei den Altersklassen-Meisterschaften im Jahr 1 nach den Hightech-Anzügen durften ebenfalls etliche Top-Leistungen bestaunt werden. Anna-Stephanie Dietterle (PSV Cottbus 90) gewann im Jahrgang 1997 die 50 Meter Freistil in neuer Rekordzeit von 26,25 Sekunden. Sie unterbot damit die alte Bestmarke von Silke Lippok um zweieinhalb Zehntel. Rosalie Käthner von der SSG Saar Max Ritter sorgte in 02:18,96 Minuten über die 200 Meter Schmetterling für einen neuen Altersklassen-Rekord bei den 13-Jährigen. Gleich zwei Altersbestzeiten verbesserte Maximilian Oswald (TG Geislingen), der über die 50 Meter Freistil in 23,19 und die doppelte Distanz in 50,71 Sekunden gewann. Über die 100 Meter Schmetterling hatte er ebenfalls auf den Rekord geschielt, scheiterte in 55,38 Sekunden jedoch um knapp sieben Zehntel an der Uralt-Bestmarke die seit 30 Jahren von Michael Groß gehalten wird.

Hier nun das DSV-Team für die Junioren-EM in Helsinki:
Frauen (14): Teresa Baerens (TSV Hohenbrunn-Riemerling), Sarah Köhler (SG Frankfurt), Silke Lippok (SSG Pforzheim), Tina Nitzsche (SC Chemnitz von 1892), Lina Rathsack (SC Riesa), Juliane Reinhold (SSG Leipzig), Tina Rüger (SSV Nürnberg), Laura Simon (SG EWR Rheinhessen Mainz), Elisa Thimm (SG Bayer Wup/Uer/Dor), Franziska Wohlert (SG Neukölln Berlin), Paula Beyer (SC Magdeburg), Eileen Diener (PSV Cottbus 90), Johanna Friedrich (SC Magdeburg), Alexandra Wenk (SG Stadtwerke München)

Männer (16): Florian Angert (SG Weinheim-Hohensachsen), Karl-Richard Hennebach (SSG Leipzig), Melvin Herrmann (SG Dortmund), Maximilian Krüger (SV Halle/Saale), Kevin Leithold (Bitterfelder SV 1990), Lukas Nattmann (SG Bayer W´tal/Uerd./Dor.), Christian vom Lehn (SG Bayer W´tal/Uerd./Dor.), Paul Wudtke (SG Berliner Wasserratten 1889), Robert Bigelmann (SC Poseidon Berlin), Eric Wald (SC Chemnitz von 1892), Philipp Wolf (SV Weiden 1921), Max Claussen (SG Lübeck), Christian Diener (PSV Cottbus 90), Tobias Horn (SSG Leipzig), Max Mral (SG Wfr. Wuppertal-Neuenhof), Bastian Vollmer (SG Region Karlsruhe)

Hier geht es zu den einzelnen Tagen der DJaM:
Tag 1 der Deutschen Jahrgangsmeisterschaften
Tag 2 der Deutschen Jahrgangsmeisterschaften
Tag 3 der Deutschen Jahrgangsmeisterschaften
Tag 4 der Deutschen Jahrgangsmeisterschaften
Tag 5 der Deutschen Jahrgangsmeisterschaften

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Erstellt am Montag, Juni 7th, 2010 um 12:45 in den Kategorien Allgemein, Deutschland. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed.

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