DM: Paule,Deibler,Mulle und doch Lücken
(05.07.2010) Steffen Deibler bei den Herren und Daniela Samulski bei den Frauen waren die erfolgreichsten Athlenten der Deutschen Meisterschaften in Berlin, bei denen sich die DSV-Sportler traditionell recht gut präsentierten. Insgesamt blieben in den vergangenen Tagen 13 Athleten unter den EM-Normen. 25 deutsche Einträge in den Top Five der europäischen Bestenlisten sind aktuell zu verzeichnen. Doch es gab nicht nur Grund zum Jubel im DSV-Lager.
Drei Siege, eine Silbermedaille und zudem die EM-Norm über vier Strecken sind die Bilanz von Steffen Deibler bei den Deutschen Meisterschaften. Der einzige, der dem Wahl-Hamburger in Berlin eine Niederlage zufügen konnte, war kein geringerer als Doppel-Weltmeister Paul Biedermann. Und dieser musste sich über die 100 Meter Freistil auch ganzschön lang machen um Deibler noch abzufangen. Erst auf den letzten Metern zog Biedermann vorbei und gewann in 48,80 Sekunden mit 17 Hundertsteln Vorsprung. Über die 50 Meter sowie 50 und 100 Schmetterling war Deibler jedoch nicht zu schlagen. Im Schmetterlingssprint kratze er sogar am Deutschen Rekord und kündigte an, diesen angreifen zu wollen: „Ich habe ein wenig den Lauf verrissen. Ich wollte den deutschen Rekord knacken, aber ich habe ja noch ein paar Chancen in dieser Saison.”
Biedermann schwimmt Jahresbestzeit mit Ansage
Paul Biedermann gelang es in Berlin wie erwartet seine drei Titel über die 100, 200 und 400 Freistil zu verteidigen. Nach einer durchwachsenen Leistung über die 400 schickte er mit einer Weltjahresbestzeit über die halbe Distanz in 1:45,84 Minuten einen Gruß an die EM-Konkurrenz aus Frankreich, den Niederlanden und Russland. Bereits vor den Titelkämpfen in Berlin hatte Biedermann erklärt, danach in der Jahresbestenliste ganz oben stehen zu wollen. Gewohnt ergeizig kündigte er nun weitere Taten an: “Mehr als zufrieden bin ich nicht, ich versuche bei der EM noch etwas schneller zu sein. Diese Zeit lässt mich optimistisch nach Budapest blicken. Dort will ich meinen EM-Titel von Eindhoven verteidigen. Gerade als Weltmeister springt man nicht ins Wasser, um bei einer EM, um Bronze zu kämpfen”, so der Hallenser.
Samulski ohne Druck zu Titel und Ticket
Bei den Frauen sorgte vor allem Daniela Samulski für Top-Leistungen. Nach einer relativ langen Auszeit und Verletzungspech war sie noch nicht allzu lange wieder im Training und ging daher ohne Druck in die Meisterschaften. Dies schien aufzugehen: Über die 50 Meter Rücken und 100 Freistil holte sie sich die Titel und führte auch die 4×100 Lagen-Staffel der SG Essen zum Sieg. Dabei löschte das Quartett einen mehr als 25 Jahre alten Deutschen Rekord des SC Karl-Marx-Stadt aus den Büchern. Dies war der erste Deutsche Rekord in der offenen Klasse nach dem Wegfall der Hightech-Anzüge. Hinzu kommen für Samulski Silber über die 100 Rücken und mit der 4×100 Freistil-Staffels sowie das EM-Ticket über all ihre Einzelstrecken. Mit ihrer Zeit von 28,16 Sekunden liegt die Europarekord-Inhaberin über die 50 Rücken derzeit sogar auf Platz zwei der kontinentalen Bestenliste.
Biedermann, Feldwehr und Härle führen Bestenlisten an
Insgesamt liegen nach den Titelkämpfen in Berlin nun 25 deutsche Sportler unter den besten fünf Sportlern der europäischen Jahresbestenlisten. Neben Paul Biedermann, der natülich über die 200 Freistil ganz vorn liegt, führen auch Hendrik Feldwehr in einer Zeit von 27,50 über die 50 Meter Brust und Isabelle Härle über die 1500 Meter Freistil die Europaranglisten an. Über die kurzen Freistil- und Schmetterlingsstrecken ist außerdem Steffen Deibler weit vorn mit dabei. Dies lässt durchaus hoffen, dass die Zielstellung des DSV, bei der EM elf Medaillen und 20 Finalplätze zu holen, gehalten werden kann. Trotz der Ausfälle und Absagen von Britta Steffen, Helge Meeuw oder auch Benjamin Starke will der Verband von dieser Vorgabe nicht abrücken.
Damen scheitern an den EM-Normen
Doch es gab natürlich nicht nur Grund zu jubeln in Berlin. Vor allem bei den sonst so starken Damen des DSV war noch deutlich Luft nach oben. Auf insgesamt acht der 17 Einzel-Strecken schaffte keine der Schwimmerinnen die EM-Norm. Bei den Männern war dies nur auf vier Distanzen der Fall. Dabei ist auch der Ausfall von Britta Steffen nicht als Grund zu sehen. Über “ihre” Strecken konnten Dorothea Brandt, Daniela Samulski und Silke Lippok einspringen. Probleme gab es eher bei Schmetterling und Lagen sowie überraschenderweise auch bei den Bruststrecken. Zwar liegen in der europäischen Bestenliste drei DSV-Schwimmerinnen über die 50 Brust unter den Top Ten, doch zum EM-Ticket in Berlin reichte dies nicht.
Rücken-Lücke bei den Herren
Bei den Männern wurde deutlich, dass auf den Rückenstrecken nach dem Rücktritt von Thomas Rupprath und der Absage von Helge Meeuw doch noch eine große Lücke klafft. Die Normzeiten über 50 und 100 wurden nicht erreicht. Für die Lagen-Staffel fährt der mit 32 Jahren älteste DSV-Schwimmer bei der EM, Stefan Herbst, mit nach Budapest – durchaus bezeichnend.
Reinhold und Lippok halten Fahne des Nachwuchs hoch
Vor der EM hatte Dirk Lange gefordert, dass nun der Nachwuchs in die Bresche springen und sich zeigen müsse. Doch dies gelang in Berlin nur bedingt. Für die fast schon erwarteten Top-Leistungen sorgte hier vor allem die 16-jährige Silke Lippok, die über die 200 Freistil in 1:57,51 Minuten die derzeit viertschnellste Schwimmerin in Europa ist. Hinzu kamen die Überraschungssiege von Juliane Reinhold, ebenfalls 16, über die 400 Lagen und Sina Sutter (19) über die 100 Schmetterling. Für Lisa Vitting (19) reichte die Zeit beim Sieg über die 50 Schmetterling zwar nicht zum EM-Ticket, doch für die Freistilstaffel ist auch sie für Budapest nominiert. Allerdings muss gerade den Junioren zu gute gehalten werden, dass diese sich mitten in der Vorbereitung auf die Junioren-Europameisterschaften befinden und gerade aus dem Trainingslager kamen. Die Deutschen Meisterschaften standen hier nicht im Mittelpunkt.
Hier die Zusammenfassungen der einzelnen DM-Tage:
Wettkampftag 1 der Deutschen Meisterschaften
Wettkampftag 2 der Deutschen Meisterschaften
Wettkampftag 3 der Deutschen Meisterschaften
Wettkampftag 4 der Deutschen Meisterschaften
Wettkampftag 5 der Deutschen Meisterschaften







Es ist schon bezeichnend, dass so ein alter Hase wie Herbst wieder mitfahren muss, weil auf den Rückenstrecken anscheinend die Lücke zu groß ist..