EM-Rückblick: Zeiten, Plätze & Medaillen
(17.08.2010) Die Schwimm-EM in Budapest ist Geschichte. Zwar verfehlten die DSV-Schwimmer die Vorgabe von elf Medaillen, doch in der Breite konnte das Team überzeugen. Nach der Absage von Britta Steffen erfüllte bei den Frauen Daniela Samulski die in sie gesetzten Erwartungen und Youngster Silke Lippok schwamm sich mit ihrer Unbekümmertheit in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Paul Biedermann kehrt mit Titel und Weltjahresbestzeit über die 200 Freistil sowie zwei weiteren Medaillen heim. (Eine Auflistung der DSV-Ergebnisse finden Sie unten.)
Die Zielvorgabe des DSV für die Beckenschwimmer bei den Europameisterschaften in Budapest lautete elf Medaillen. Ohne Sprintstar Britta Steffen schwamm sich das Team um Paul Biedermann am Ende zu neunmal Edelmetall, deswegen von einer absoluten Zielverfehlung zu sprechen dürfte jedoch nicht ganz angebracht sein. Zumindest die Vorgabe von 20 Finalplatzierungen wurde mehr als erfüllt: 23 mal standen die deutschen Schwimmer in Budapest im Endlauf, mit den Staffeln sind es sogar 29 Finaleinsätze. Im Durchschnitt aller 41 DSV-Starts kamen die Athleten auf den siebten Rang. Der sechste Platz im Medaillenspiegel drückt nur bedingt das Potential der deutschen Schwimmer aus.
Berlin mal wieder schneller als Budapest
Mit Blick auf die in Budapest geschwommenen Zeiten wird jedoch erneut deutlich, dass die bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin gezeigten Leistungen beim Saisonhöhepunkt nur bedingt bestätigt werden konnten. Nur gut die Hälfte der Athleten konnte sich im Vergleich zu den nationalen Titelkämpfen Ende Juni steigern. Zudem fällt auf, dass die Schwimmer nur bei neun von 23 Finalstarts im Einzel im jeweiligen Endlauf ihre beste Leistung der Schwimm-EM zeigen konnten. Die restlichen Athleten waren im Vorlauf beziehungsweise Halbfinale schneller gewesen und konnten dies im Endlauf nicht bestätigen.
Das Staffelprojekt scheint zu fruchten
Das vom DSV angeschobene Projekt, die Staffeln zum Rückgrat des Teams zu machen, scheint erste Früchte zu tragen. Einen kompletten Medaillensatz holten die sechs deutsche Quartette in Budapest und so mancher wuchs dabei über sich hinaus. In der 4×200 Freistil-Staffel der Männer legten alle vier Athleten hervorragende Zwischenzeiten hin. Clemens Rapp als Schlussschwimmer brachte sogar eine Zeit von 1:46,83 Minuten ins Wasser – bereinigt immerhin eine niedrige 1:47. Auch bei den Frauen konnte mit Daniela Schreiber vor allem die Position vier dieser Staffel glänzen. Ein weiteres hervorzuhebendes Beispiele ist Markus Deibler, der mit seiner Zeit von 48,23 (bereinigt ca. 48,8) in der 4×100 Freistilstaffel immerhin Paul Biedermann aus dem Lagenquartett kickte. Hier konnte der Hamburger seine Leistung dann sogar nochmal steigern: Mit Frühstart schwamm er eine 47,71 – bereinigt wären das ca. 48,5 Sekunden, im Einzelfinale hätte er damit um den Sieg mitschwimmen können. Im Durchschnitt waren zudem die Wechselzeiten der deutschen Staffeln meist schneller als die der Konkurrenz – mit dem kleinen Makel des Frühstarts in der Lagenstaffel, der zumindest keine Medaille kostete.
Lippok überstrahlt sogar Paul Biedermann
Nicht nur ein Ersatz für Britta Steffen, sondern eine feste Größe in den Staffeln war ohne Zweifel Silke Lippok. Die 16-Jährige hatte mit ihrer Leistung als Schlussschwimmerin der 4×100 Lagenstaffel maßgeblichen Anteil daran, dass sich das Team hier doch noch über Bronze freuen konnte. In ihrem Finale über die 200 Freistil konnte sie Federica Pellegrini ärgern, die Schwimm-Diva adelte Lippok danach sogar als eine ihrer wohl stärksten Konkurrentinnen in Zukunft. Nach ihrem Anschlag “überstrahlte” Lippok im wahrsten Sinne des Wortes alles. Mit dem Gold aus der 4×100 Freistilstaffel kann sie sich über einen kompletten Medaillensatz freuen. Durch ihre Unbekümmertheit punktete sie bei den Fans, der Konkurrenz und der Presse – auch international. Sogar Paul Biedermann bekam in den Gazetten nur die Nebenrolle, wenn es um das deutsche Team ging. Für die Pforzheimerin geht es nun erstmal in den Urlaub, ideal um dem Rummel in der Heimat etwas auszuweichen.
Samulski und Biedermann werden Erwartungen gerecht
Ebenfalls einen kompletten Medaillensatz sicherte sich Daniela Samulski, die neben Gold in der Freistil- und Bronze in der Lagenstaffel auch im Einzel über die 50 Meter Rücken mit Silber und einer Zeit von unter 28 Sekunden glänzen konnte. Die Essenerin wurde ihrer Rolle als feste Größe im DSV-Team in Budapest vollends gerecht. Überzeugen konnte letztlich auch Weltmeister Paul Biedermann. Nachdem er sich am Auftakttag über die 400 Freistil nur knapp dem französischen Youngster Yannick Agnel geschlagen geben musste, holte er sich über die halbe Distanz den erwarteten Titel und wischte als Startschwimmer der 4×200 Freistilstaffel mit seiner Weltjahresbestzeit, die er sich von Michael Phelps zurückholte, die Zweifel über seine Form vom Tisch.
Franzosen schwimmen sich an die Spitze
In der Spitze jedoch war die kontinentale Konkurrenz so manches mal einfach zu weit weg. Auf den 34 Einzeldistanzen konnten die Athleten aus Europa auf 15 Strecken für Weltjahresbestzeiten sorgen. Allein fünf davon kamen von den Männern aus Frankreich. Allen voran: Camille Lacourt. Der Rückenstar schwamm über die 100 Rücken in 52,11 Sekunden den ersten Europarekord nach dem Ende der Hightech-Ära und verfehlte über die 50 Meter nur haarscharf den Weltrekord des Briten Liam Tancock. Sein Team-Kollege Fred Bousquet sorgte über die 50 Meter Freistil mit seiner Zeit von fast unglaublichen 21,36 Sekunden für offene Münder auf der Tribüne und die mit Abstand schnellste Zeit, die je ein Athlet ohne Anzug geschwommen ist. Neben den Franzosen überzeugten vor allem die russischen Schwimmer, die die Top-Sprinter aus unserem Nachbarland erneut über die 4×100 Freistil ärgern konnten. Das DSV-Team kam im Medaillenspiegel zwar letztlich nur auf den sechsten Rang, doch viele der gezeigten Leistungen sowie die Rückkehr von Britta Steffen geben Anlass optimistisch nach vorn zu blicken. Die EM in Budapest war letztlich nur eine weitere Zwischenstation auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2012 in London.
Die detailierten Ergebnisse des DSV-Teams:
| Strecke | Wer? | Platz | Beste EM-Zeit | Wo geschwommen? | DM-Vergleich |
| Männer: | |||||
| 50Fr | Steffen Deibler | 6. | 00:21,99 | Ausschwimmen | + |
| 100Fr | Markus Deibler | 11. HF | 00:49,13 | Staffel | + |
| 200Fr | Paul Biedermann | 1. | 01:45,47 | Staffel | + |
| Tim Wallburger | 9. HF | 01:49,02 | Halbfinale | - | |
| 400Fr | Paul Biedermann | 2. | 03:46,30 | Finale | + |
| Clemens Rapp | 7. | 03:49,27 | Finale | + | |
| 800Fr | Christian Kubusch | 2. | 07:49,02 | Finale | + |
| Jan Wolfgarten | 16. VL | 08:05,48 | Vorlauf | - | |
| 1500Fr | – | ||||
| 50Rü | – | ||||
| 100Rü | – | ||||
| 200Rü | Yannick Lebherz | 7. | 01:58,42 | Halbfinale | - |
| 50Br | Hendrik Feldwehr | 12. HF | 00:27,76 | Vorlauf | - |
| 100Br | Hendrik Feldwehr | 7. | 01:01,23 | Halbfinale | - |
| 200Br | Marco Koch | 7. | 02:11,47 | Halbfinale | |
| 50S | Steffen Deibler | 4. | 00:23,56 | Halbfinale | - |
| 100S | Steffen Deibler | 9. HF | 00:52,92 | Halbfinale | - |
| 200S | – | ||||
| 200Lg | Yannick Lebherz | 22. VL | 02:03,45 | Vorlauf | - |
| Markus Deibler | 8. | 02:00,53 | Vorlauf | + | |
| 400Lg | Yannick Lebherz | 5. | 04:15,72 | Finale | + |
| Frauen: | |||||
| 50Fr | Daniela Schreiber | 19. VL | 00:25,86 | Vorlauf | - |
| Dorothea Brandt | 4. | 00:24,64 | Halbfinale | + | |
| 100Fr | Daniela Schreiber | 7. | 00:54,71 | Halbfinale | - |
| Daniela Samulski | 11.VL | 00:54,91 | Staffel | - | |
| Silke Lippok | 11. HF | 00:55,04 | Vorlauf | - | |
| 200Fr | Silke Lippok | 2. | 01:56,98 | Finale | + |
| 400Fr | Jaana Ehmcke | 19. VL | 04:18,89 | Vorlauf | - |
| 800Fr | – | ||||
| 1500Fr | Jaana Ehmcke | 11. VL | 16:43,71 | Vorlauf | - |
| Isabelle Härle | 8. | 16:24,45 | Finale | - | |
| 50Rü | Daniela Samulski | 2. | 00:27,99 | Finale | + |
| 100Rü | Daniela Samulski | 5. | 01:00,54 | Halbfinale | + |
| Jenny Mensing | 3. | 01:00,72 | Finale | + | |
| 200Rü | Jenny Mensing | 4. | 02:11,50 | Finale | - |
| 50Br | Caroline Ruhnau | 7. | 00:31,63 | Halbfinale | - |
| 100Br | Caroline Ruhnau | 6. | 01:08,63 | Halbfinale | + |
| Sarah Poewe | 5. | 01:08,49 | Halbfinale | + | |
| 200Br | – | ||||
| 50S | – | ||||
| 100S | Sina Sutter | 14. HF | 01:00,25 | Halbfinale | - |
| 200S | Franziska Hentke | 6. | 02:08,95 | Halbfinale | + |
| 200Lg | – | ||||
| 400Lg | – |




Kommt mir alles etwas zu positiv rüber… Auch in den Staffeln war nicht alles Sahne, was sollte die Umstellung der Frauen-Lagenstaffel?
Wieder mal wurde es nicht gepackt beim Saisonhöhepunkt Bestleistungen zu bringen…
Und 29 von 41 Finals sind auch mal eben nur 70%
Ich habe bewusst versucht eher die positiven Aspekte hervorzuheben… Der größte Mangel ist, da geb ich dir recht, noch immer die Unfähigkeit beim Saisonhöhepunkt – sprich im FINALE! – Bestzeit zu schwimmen. Zumindest der Hälfte des Teams gelang dies insgesamt im Rahmen der EM, wodurch auch die durchaus gute Finalquote von 70% zustande kommt. In meinen Augen ist diese wirklich gut, vor allem bei dem, was man von früheren Top-Events gewöhnt ist… Doch im Endlauf schien bei einigen dann die Luft raus zu sein…
Was ist den so toll daran, dass Deibler in der Staffel so schnell geschwommen ist?? Soll er das im Einzel zeigen und eine Medaille holen!
Es zeigt, wie er immer wieder über sich hinauswachsen kann! Er ist jemand der immer wieder an seine Grenzen gehen kann. Dass er seine beste Leistung in der Staffel abruft, spricht in meinen Augen eher FÜR als gegen ihn! Er nutzt halt die zusätzliche Motivation des Team-Wettkampfs, powert sich für die Mannschaft aus.
Im Gegensatz zu Leuten wie den frz. Sprintern! Da schwimmt ein Bernard in der Staffel MIT fliegendem Start ne 48,7 um dann im Einzel in 48,5 zu gewinnen…