Vier gewinnt: Die Chancen der EM-Staffeln
(07.08.2010) Die Zielstellung für die Schwimmer des DSV ist klar: 11 Medaillen sollen die deutschen Schwimmer bei der Europameisterschaft in Budapest aus dem Becken holen. Daran sollen auch die Staffeln ihren Anteil haben. swimsportnews wirft einen Blick auf die einzelnen Quartette und deren Konkurrenz.
Sechs Staffel-Entscheidungen stehen bei den Europameisterschaften in Budapest an und bei nahezu allen haben die Teams des DSV Medaillenchancen. Über die 4×100 Freistil kann man die deutschen Frauen sogar guten Gewissens als Mitfavoriten bezeichnen. Die Herren um Paul Biedermann können vor allem in der 4×200 Freistilstaffel ein Wörtchen mitreden. Anders sieht es bei den Lagenquartetten aus, hier wird auch ein Quäntchen Glück dazukommen müssen, damit es zu Edelmetall reicht. Die deutschen Teams gehen bestens vorbereitet in die Staffeln. In diesem Jahr gab es mehrere spezielle Staffeltrainings für die Athleten des DSV, um wirklich das Optimum bei den Wechseln herausholen zu können. Die Konkurrenz ist bei allen Staffelentscheidungen stark und kommt vor allem aus Russland, Frankreich und Großbritannien. Für Überraschungen könnten auch die Quartette aus dem Gastgeberland sorgen, die Schwimmer aus Ungarn traten in diesem Jahr bisher kaum in Erscheinung, werden jedoch sicher versuchen ein Wörtchen mitzureden.
Die 4×100 Meter Freistil der Damen: DSV-Team in der Favoritenrolle
Die erste Staffelentscheidung der Europameisterschaften fällt am Montag über die 4×100 Freistil der Frauen. Nach der EM-Absage von drei der vier schnellsten niederländischen Schwimmerinnen steigen die Chancen der restlichen Teams. Die besten Aussichten hat dabei – zumindest auf dem Papier – die deutsche Staffel. Die Mannschaft um Daniela Samulski geht als Favorit an den Start. Mit Daniela Schreiber und Silke Lippok auf den weiteren Positionen sowie Lisa Vitting und Dorothea Brandt in der Hinterhand kann das DSV-Team auch ohne Britta Steffen ein starkes Wort um den Titel mitreden. “Gold in der 4×100 Freistilstaffel”, hält auch Christian Keller, der für das ZDF als Experte in Budapest ist, für möglich. Nach der Schwächung der Niederländerinnen dürfte die größte Konkurrenz aus Schweden kommen. Mit Therese Alshammar und Josefine Lillhage haben sie die geballte Staffelerfahrung in ihren Reihen, ergänzt unter anderem durch die 16-Jährige Weltmeisterin Sarah Sjöström. Zwischen Deutschland und Schweden dürfte es um Gold gehen. Erst dahinter kämpfen die Niederländerinnen u.a. gegen die Teams aus Großbritannien, Frankreich oder Italien um den verbleibenden Platz auf dem Podium.
Die 4×200 Meter Freistil der Frauen: Silke Lippok und dann?
Anders sieht es bei der langen Freistilstaffel aus. Zwar konnte Nachwuchstalent Silke Lippok in diesem Jahr bereits mit starken Leistungen aufwarten, doch dahinter wird es dünn. Einzig Franziska Jansen konnte 2010 unter der Marke von 2:00 bleiben und auch dies nur knapp. Die Favoriten über die 4×200 Meter Freistil kommen aus Frankreich und Großbritannien. Die Teams um Camille Muffat und Rebecca Adlington haben auf den weiteren Positionen jeweils drei Schwimmerinnen die deutlich unter die zwei Minuten schwimmen können. Hinter diesen beiden Quartetten kann es für die DSV-Staffel aber noch um Bronze gehen. Zwar haben die Italienerinnen Federica Pellegrini, doch auch hier ist die Personaldecke nicht gerade dick. Zu beachten sein wird sicher auch das Team aus dem Gastgeberland. Die Ungarinnen um Agnes Mutina und Katinka Hosszu können nicht nur auf den Heimbonus bauen, sondern lieferte in diesem Jahr schon überzeugende Leistungen.
Die 4×100 Lagen der Damen: Wer bleibt an den Russinen dran?
Die Favoriten über die 4×100 Lagen bei den Frauen kommen aus Russland. Das Quartett ist vor allem auf den ersten beiden Positionen hervorragend besetzt. Den Auftakt macht die WM-Zweite Anastasia Zueva, auf sie folgt mit Yulia Efimova die mit Abstand schnellste europäische Brustschwimmerin in diesem Jahr. Während auf der Rückenstrecke auch die Britinnen mit Elizabeth Simmonds ein heißes Eisen im Feuer haben, dürfte Efimova auf der Bruststrecke kaum zu schlagen sein. Zwar hat das UK-Team hier die erstmals für Großbritannien startende Achieng Ajulu-Bushell dabei, die in der Europarangliste auf Platz drei liegt, doch die 16-Jährige war bisher fast zwei Sekunden langsamer als Efimova. Die Frage ist, wie weit die Russinen wegkommen können, denn ihre Schwachstelle ist die Freistildistanz. Hier haben die Britinnen immerhin Francesca Halsall auf dem Block. Hinter diesen beiden Staffeln geht es erneut eng zu. Auch das DSV-Team (auf dem Papier mit Jenny Mensing, Caroline Ruhnau, Sina Sutter und Daniela Samulski) hat gute Chancen auf Bronze. Schweden, Frankreich und Italien dürften hier die Staffeln sein, die es zu schlagen gilt. “In der 4×100 Lagenstaffel wäre Bronze schon eine Überraschung, da sind die anderen eigentlich stärker, aber wir sind ein gutes Staffelteam”, erklärte SG-Essen-Trainer Henning Lambertz zuletzt.
4×100 Freistil der Männer: Schlagen sich die Franzosen erneut selbst?
Wie immer in den vergangenen Jahren bei den internationalen Saisonhöhepunkten gehen die französischen Herren als klare Favoriten in die 4×100 Freistilstaffel. Doch schon bei den Olympischen Spielen 2008 und der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr blieb ihnen Gold verwehrt. Alle Schwimmer der Franzosen können deutlich unter 49 Sekunden schwimmen. Auf ein erneutes Schwächeln der Männer um Alain Bernard hoffen die Teams aus Russland und auch Deutschland. Angeführt von Paul Biedermann und Steffen Deibler dürfte mindestens Bronze drin sein, doch auch die Staffel der Russen ist durchaus schlagbar. Erst hinter diesen drei Mannschaften dürften Teams wie Italien und Großbritannien sich einreihen, wobei bei den Italienern immer deren traditionell schnelle Wechselzeiten zu beachten sind.
Die 4×200 Freistil der Männer: Die Tagesform entscheidet
Das am besten aufgestellte Team über die 4×200 Freistil kommt aus: Großbritannien. Zwar fehlen diesem Quartett die großen Namen, doch allesamt sind in der Lage unter 1:48 zu schwimmen. Beim Team des DSV kommt es drauf an, wieviel Paul Biedermann seinen Teamkollegen mit auf den Weg geben kann. Eine Medaille ist wohl sehr gut möglich, doch die Farbe ist vollkommen offen. Auch die Franzosen haben nicht nur Yannick Agnel im Team, sie werden dem DSV-Vierer und den Briten versuchen das Leben schwer zu machen. Auch das Team aus Russland ist immer für eine Medaille gut. Drei von vier der Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele 2008 , der EM 2008 und der WM 2009 stehen im Team – da dürfte es mal Zeit für Gold werden. Doch in diesem Jahr kamen die Russen bisher nicht so richtig in Gang, bei der EM dürften sie jedoch wieder in Topform auftreten. Titelverteidiger Italien und das Team aus den Niederlanden haben ebenfalls Medaillenchancen, doch ein Sieg dürfte schwer werden. Diesen dürften Großbritannien, Frankreich, Russland und auch Deutschland unter sich ausmachen.
Die 4×100 Lagen der Herren: Für eine Medaille muss alles stimmen
Während die DSV-Herren in den Freistilstaffeln sehr gute Chancen auf Edelmetall haben, sieht es für das Lagenquartett schon weitaus schwieriger aus. Vor allem das Fehlen von Helge Meeuw macht sich hier bemerkbar. Den Auftakt wird stattdessen über die Rückendistanz Altmeister Stefan Herbst machen. Zwar hat der 32-jährige Leipziger Staffelerfahrung wie kaum ein anderer und in der Vergangenheit des öfteren bewiesen, dass man auf ihn bauen kann. Doch in Budapest dürfte es schwer werden, an Leuten wie Liam Tancock oder Camille Lacourt dranzubleiben. Das Quartett der Franzosen ist wohl am stärksten zu bewerten, auch wenn noch nicht endgültig feststeht, wer die Schmetterlingsstrecke bestreiten wird. Sowohl Frederick Bousquet als auch Amaury Leveaux kommen hier in Frage – beides keine schlechten Namen. Hinzu kommt über die Bruststrecke mit Hugues Duboscq der zweitschnelleste Europäer in diesem Jahr. Hier haben vor allem die Russen mit Roman Sludnov gut etwas dagegenzusetzen. Sie sind quasi in der Mitte am stärksten besetzt, denn auf Sludnov folgt über die Schmetterligsdistanz mit Evgeny Korotyshkin der Führende der Europarangliste. Frankreich, Russland und Großbritannien – wenn keiner einen rabenschwarzen Tag erwischt, dürften diese drei Teams die Medaillen unter sich ausmachen. Die DSV-Staffel hat zumindest Außenseiterchancen auf Edelmetall, doch dazu muss alles stimmen. Zumindest Italien, die Niederlande oder auch Schweden dürfte man jedoch gut hinter sich halten können.






