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(19.11.2015) Seit heute geht es für die DSV-Schwimmer bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Wuppertal nicht nur um die Meistertitel sondern auch um die Qualifikation für die Kurzbahn-EM in Israel. Zahlreiche Athleten scheinen jedoch auf einen Start bei der EM verzichten zu wollen, selbst wenn sie die Normzeiten knacken. Der Grund sind Sicherheitsbedenken.


Die Welt- und Europameisterschaften auf der 25m-Bahn bilden stets den Höhepunkt zum Ende des Schwimmjahres. Doch diesmal geht es bei einer angespannten weltpolitischen Lage nach Israel. Noch ist unklar, ob wir ein DSV-Team bei den Titelkämpfen erleben werden. "Der aktuelle Stand sieht so aus, dass wir fahren", erklärte Chef-Bundestrainer Henning Lambertz am Rande der Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Wuppertal. Man stehe jedoch in ständigem Kontakt mit dem Auswärtigen Amt und versuche auch Informationen von der deutschen Botschaft in Telaviv zu erhalten, so Lambertz.

Eigentlich sollen sich die DSV-Schwimmer in Wuppertal für die Kurzbahn-EM qualifizieren. Die Entscheidung, ob sie aber bei geknackter Normzeit tatsächlich fahren, stellt der Verband seinen Athleten frei. "Wir haben eine kleine Umfrage unter unseren Olympioniken gemacht", so Lambertz. "Von 25 Sportlern kam bereits bei 13 die Rückmeldung, dass sie definitiv nicht fahren wollen."

Da Israel ohnehin einer der Brennpunkte im Nahen Osten ist, sind die Sicherheitsbedenken hier nach den weltweiten Terroranschlägen der zurückliegenden Tage und Wochen besonders hoch. Dies bereitet wohl auch vielen Athleten ein flaues Gefühl im Magen.

Unbeeindruckt zeigt sich Marco Koch, der heute in Wuppertal mit einem Deutschen Rekord über die 400m Lagen für einen Paukenschlag sorgte. "Ich werde auf jeden Fall fahren", erklärte der Weltmeister. "Man sieht ja in Paris, dass so etwas in jedem Café egal wo passieren kann."

Unabhängig von den Sicherheitsbedenken könnte ein weiterer Umstand die Austragung der Kurzbahn-EM gefährden. Die Welt-Anti-Doping-Agentur setzte Israel auf eine Liste von Staaten, die sich derzeit im Kampf gegen Doping nicht ausreichend nach den Vorgaben der WADA richten. Ähnlich wie zuletzt im Fall von Russland droht damit eine Sperre.

Zwar hat man bei der israelischen Anti-Doping-Agentur bis März des kommenden Jahres Zeit "aufzuräumen". Es bleibt aber abzuwarten, inwieweit es die zuständigen Sportverbände als angemessen betrachten unter diesen Umständen ein internationales Großevent in dem Land stattfinden zu lassen. Auch hier beobachte man genau die Entwicklung, meinte Henning Lambertz dazu.

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