Wer im Schwimmbecken etwas erreichen möchte, egal ob es Medaillen oder persönliche Bestzeiten sind, muss an die eigenen Grenzen gehen und diese immer weiter verschieben. Das ist selten ein Zuckerschlecken und schmerzgeplagte Körper gehören in unserem Sport zur Tagesordnung. Schmerzen sind oft sogar unvermeidbar mit den wichtigen Anpassungsprozessen verbunden, von denen wir uns sportliche Steigerungen erhoffen. Doch sie können auch auf Verletzungen hindeuten. Wo ist die Grenze und wie können wir selbst die Signale unseres Körpers richtig interpretieren?
Egal ob bei harten Serien im Training oder auf den letzten Metern im Wettkampf: Wenn das Laktat in die Muskeln schießt und wir die Belastungen spüren, denen wir uns beim Schwimmen aussetzen, heißt es Zähne zusammenbeißen. Durchhaltevermögen, Kampfgeist und die Fähigkeit, Schmerzen auszublenden, werden im Schwimmsport gern idealisiert. Doch das ist auch mit Risiken verbunden. Wenn wir die Signale unseres Körpers komplett ausblenden, drohen Überbelastungserscheinungen, die sogar in chronischen Beschwerden gipfeln können. Denn normalerweise sind Schmerzen Warnsignale. Um diese richtig zu interpretieren, könnt ihr euch vier grundlegende Fragen stellen:
- Wo sitzen die Schmerzen?
Mit regelmäßigem und oft auch sehr intensivem Training wollen wir Anpassungsreaktionen unseres Körpers erreichen. Das betrifft das Herz-Lungen-System aber vor allem natürlich die Muskulatur. Schmerzt diese, ist das oft unbedenklich und gewünscht. Etwas anders sieht es aus, wenn uns zum Beispiel Gelenke Probleme bereiten. Das ist in den seltensten Fällen ein gutes Zeichen und deutet auf Entzündungsgefahr hin. Ein Indikator dafür kann zudem leicht erhöhte Körpertemperatur sein. Doch Vorsicht: Auch hinter Muskelschmerzen können sich Warnsignale verstecken. Egal, wo der Schmerz herkommt, auch die weiteren drei Fragen sollten wir uns also noch stellen:
- Wie fühlen sich die Schmerzen an?
Der typische Muskelkater ist den meisten von uns bekannt. Es ist ein eher stumpfer Schmerz, der relativ gleichmäßig ist. Auch im Training nach hohen Belastungen fühlen sich Schmerzen oft so an und sind meist unproblematisch. Treten Schmerzen hingegen plötzlich auf und / oder fühlen sie sich stechend an, dann sollten wir das Training bzw. die Belastung unterbrechen.
- Wie stark sind die Schmerzen?
Schmerztoleranz ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite erlaubt sie es uns, die eigenen Leistungsgrenzen zu verschieben. Auf der anderen Seite verleitet sie dazu, Probleme zu ignorieren. Treten also Schmerzen auf, ist es auch wichtig, in sich hineinzuhorchen, um festzustellen wie stark diese sind. Mediziner empfehlen in diesem Zusammenhang, die Schmerzen auf einer Skala von 1 (kaum spürbar) bis 10 (nicht auszuhalten) zu bewerten. Bei allem, was über 5 liegt, sollten wir das Training abbrechen.
- Wie entwickeln sich die Schmerzen?
Um die Signale des eigenen Körpers richtig zu interpretieren, muss man sich selbst genau beobachten. Wie reagiere ich auf Reize? Wie verhält sich mein Körper bei Belastungen? Alles, was nicht ins normale Schema passt, sollte uns zunächst einmal aufhorchen lassen. Gleiches gilt für Schmerzen, die nicht nachlassen. Zu Beginn einer Trainingseinheit ist es zum Beispiel ganz normal, dass es zunächst an der einen oder anderen Stellen zwickt und zwackt. Das sollte sich nach einigen Minuten aber geben. Ist das nicht der Fall und werden die Schmerzen sogar stärker, sollten wir die Handbremse ziehen. Wenn Schmerzen zudem über einen Zeitraum von mehr als einer Woche auftreten oder sich sogar noch länger hinziehen, sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden. Gleiches gilt für den Fall, dass Schwellungen auftreten. Wenn unser Körper sich also demnächst mal wieder schmerzend meldet, heißt es: Einen kühlen Kopf bewahren, in den Körper hineinhorchen, die eigenen Erfahrungen rekapitulieren und im Zweifelsfall keine Scheu davor haben, einen Spezialisten zu konsultieren.
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