27. März 2026

Olympiasieger und Weltmeister war er schon – und doch fehlte für Cameron McEvoy lange Zeit ein letztes, über allem stehendes Ziel. Der australische Sprintstar wollte mehr als Titel sammeln. Er wollte Geschichte schreiben. Genauer gesagt: den Weltrekord über die 50m Freistil brechen. Und genau das gelang McEvoy nun in der vergangenen Woche. 

Seinen Rekordkracher von 20,88 Sekunden zündete Cameron McEvoy im Rahmen der China Open und überraschte angesichts des frühen Zeitpunkts im Jahr dabei auch sich selbst. Die bisherige Rekordzeit von César Cielo (20,91) stammte noch aus dem Jahr 2009, damals geschwommen im Hightech-Anzug, und galt seitdem als beinahe unangreifbar. Für die Realisierung seines großen Zieles setzte McEvoy alles infrage – insbesondere seine Trainingsroutine. 

Anstatt klassischer Schwimmumfänge entschied sich der 31-jährige Australier für einen drastischen Kurswechsel. Wo früher rund 30 Kilometer pro Woche im Becken absolviert wurden, reduzierte er sein Pensum auf gerade einmal etwa zwei Kilometer.

Aber auch inhaltlich verschob sich der Fokus maßgeblich: Krafttraining, Muskelaufbau und explosive Bewegungen stehen nun im Zentrum seines Trainings. Im Wasser stehen lediglich kurze, aber hochintensive Einheiten, auf dem Programm – oft mit Widerständen, um maximale Beschleunigung zu trainieren. Impulse holte sich McEvoy dabei aus anderen Sportarten, wie dem Klettern, der Leichtathletik oder dem Radsport. Auch seine Technik passte er der kürzesten Sprintdistanz an. Alles ordnete sich einem Ziel unter – den perfekten 50m Freistil in Weltrekordzeit. 

Die radikale Trainingsumstellung zeigte schon bald große Wirkung: Bei seinen vierten Olympischen Spielen in Paris sprintete McEvoy zu Gold. Ein Jahr später folgte der Weltmeistertitel in Singapur. Seitdem lebt es seine Trainingsphilosophie noch stärker aus und war seit seinem WM-Triumph noch weniger im Wasser. Ein Sprint von mehr als 25m – eine Seltenheit. Das ermöglichte es ihm, selbst die kleinsten Details zu optimieren, wie bei seinem Weltrekordrennen in China eindrucksvoll zu erleben war. Seine Reaktionszeit am Startblock lag bei herausragenden 0,53 Sekunden. Nach dem Absprung blieb der Weltrekordhalter 12,3 Meter unter Wasser und absolvierte die erste Rennhälfte in 9,33 Sekunden. Für die zweiten 25m brauchte er 11,55 Sekunden. Nach insgesamt 36 Zügen und nur 20,88 Sekunden schlug er an – ein Zechen maximaler Effizienz bei gleichzeitig enormer Kraftentfaltung. 

Und obwohl er nun endgültig Geschichte geschrieben hat, denkt Cameron McEvoy noch lange nicht ans Aufhören. Sein Blick ist weit nach vorn in die Zukunft gerichtet: die Olympischen Spiele 2032 in Brisbane, in seiner australischen Heimat. Der schnellste Schwimmer aller Zeit ist vielleicht noch lange nicht am Limit und sollte zumindest dem Kachelzählen nicht allzu bald müde werden.