Die großen "Rekordleistungen" blieben aus. Am vergangenen Wochenende feierten die umstrittenen Enhanced Games in Las Vegas ihre Premiere. Begleitet von einem mehrstündigen Livestream, überschaubarer Reichweite und deutlich weniger Rekorden als von den Veranstaltern erhofft, traten Athletinnen und Athleten treten nach der Einnahme von leistungssteigernden Substanzen und in inzwischen verbotenen Supersuits gegeneinander an. Für Siege und Rekorde gab es signifikante Preisgelder.
Aus deutscher Sicht war der Blick auf Marius Kusch gerichtet, der über die 100m Schmetterling in 51,28 Sekunden zum Sieg schmetterte. Der Kurzbahneuropameister von 2019 stellte somit eine neue persönliche "Bestzeit" auf, blieb aber über dem Deutschen Rekord und auch hinter den Zeiten der Topstars Kristof Milak und Noe Ponti, die parallel bei der Mare Nostrum Tour in Monaco über dieselbe Strecke ins Wettkampfbecken sprangen. Auch über die 50m Schmetterling sprintete Kusch in 22,92 Sekunden schneller als in seiner aktiven Zeit ohne leistungssteigernde Mittel und schwamm damit als Dritter auf das Podium – blieb aber erneut über der nationalen Bestmarke. Aus finanzieller Sicht war der Auftritt von Marius Kusch bei den Enhanced Games dennoch äußerst lukrativ: Insgesamt kassierte der einzige deutsche Schwimmer Preisgelder in Höhe von 315.000 US-Dollar.
Der größte Gewinner der Veranstaltung war allerdings Kristian Gkolomeev. Der vierfache Olympiateilnehmer aus Griechenland sicherte sich nicht nur die Siege über 50m und 100m Freistil, sondern auch den ausgelobten "Weltrekordbonus" in Höhe von einer Million US-Dollar. Insgesamt nahm Gkolomeev so 1,5 Millionen Dollar mit nach Hause.
Besonders die 50m Freistil sorgten für Diskussionen. In 20,81 unterbot Gkolomeev den offiziellen Weltrekord von Cameron McEvoy um sieben Hundertstelsekunden – allerdings ohne offizielle Anerkennung. Bereits im vergangenen Jahr war er in einem Promovideo der Enhanced Games in 20,89 Sekunden schneller geschwommen als die damalige Bestmarke von César Cielo. Im März hatte dann McEvoy seinen Weltrekordkracher gezündet und kommentierte die Geschehnisse bei den Enhanced Games nun auf Soical Media lediglich mit einem Meme ("Seriously? That's all you got?").
Neben der grundsätzlichen Debatte um Doping, Fairness und gesundheitliche Risiken sorgte auch die Zeitmessung in Las Vegas für Diskussionen. Ob die Bedingungen tatsächlich den Standards offizieller Wettkämpfe entsprachen, wurde unmittelbar nach den Rennen hinterfragt. Dennoch zeigen die enormen Preisgelder, welche Anziehungskraft das Projekt auf die Aktiven ausübt.
So hatte bereits im März der US-Amerikaner Hunter Armstrong angekündigt, als "sauberer Athlet" bei den Enhanced Games antreten zu wollen – obwohl zu diesem Zeitpunkt unklar war, ob eine Teilnahme Konsequenzen für spätere Starts bei regulären internationalen Meisterschaften haben könnte. Armstrong wurde nach eigenen Angaben direkt im Anschluss an die Veranstaltung auf unerlaubte Substanzen getestet. Sportlich überzeugte der zweifache Staffelolympiasieger vor allem über die 50m Rücken, wo er in 24,21 Sekunden nicht zu schlagen war. Zusammen mit Rang zwei über die 100m Freistil verdiente Armstrong insgesamt 375.000 US-Dollar – eine beachtliche Summe, die im Hinblick auf die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles entscheidende Bedeutung haben dürfte.
Fest steht: Die Enhanced Games bleiben ein Kuriosum. Zwischen Millionensummen, fragwürdiger Symbolik und sportlichen Fragezeichen bewegt sich das Projekt irgendwo zwischen elitärer Zukunftsvision, Marketingexperiment und Parallelwelt des Spitzensports.
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