01. August 2026

Vier deutsche Meistertitel im April, ein Europarekord auf der Kurzbahn im Dezember und WM-Gold im Freiwasser: Isabel Gose blickt auf erfolgreiche Monate zurück. Vor den Europameisterschaften in Paris sieht die Olympiadritte von 2024 ihre Form dennoch noch nicht am Optimum. 

„Formtechnisch darf gerne noch ein bisschen was kommen“, sagt Gose nach vier intensiven Wochen im Höhentrainingslager. Die Zeit in der Sierra Nevada sei wie immer hart gewesen, dennoch zieht sie ein positives Fazit: „Ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind.“

Dabei war die Magdeburgerin in diesem Jahr von Schulterproblemen ausgebremst worden. Inzwischen seien die Beschwerden aber deutlich besser geworden. „Ich bin weitestgehend schmerzfrei“, berichtet Gose, auch wenn das Problem noch nicht vollständig verschwunden sei. 

Wie stark Isabel Gose trotz der gesundheitlichen Einschränkungen unterwegs ist, zeigte sie bei der Kurzbahn-EM im Dezember in Lublin. Dort gewann sie zweimal Gold und glänzte über die 400m Freistil mit einem neuen Europarekord. „Am liebsten würde ich natürlich von der Kurzbahn-EM so viel es geht mit nach Paris nehmen“, verrät sie. Die starken Leistungen in Lublin seien tatsächlich etwas überraschend gekommen. Im Vorfeld hatte die Magdeburger Trainingsgruppe erstmals ein Höhentrainingslager in Arizona (USA) absolviert – ein neuer Reiz, der offenbar Wirkung zeigte. 

Der Europarekord auf der Langbahn sei dennoch nicht automatisch das nächste Ziel. Seit vielen Jahren schwimmt Gose die 400m Freistil auf einem konstant hohen Niveau, hält den Deutschen Rekord und steht bei internationalen Titelkämpfen meist im Finale. Große Leistungssprünge seien deshalb, nur schwer zu erzielen. 

Gerade diese Konstanz ist für die 24-Jährige inzwischen zu einer ihrer größten Stärken geworden. Die Motivation über Jahre hinweg aufrechtzuerhalten, sei dennoch kein Selbstläufer. „Man hangelt sich so von Wettkampf zu Wettkampf und möchte jeden davon natürlich bestmöglich gestalten. Und da kommt ja irgendwie doch immer was Neues bei raus, selbst wenn die Zeiten konstant bleiben.“

Eine große Neuheit brachte das vergangene Jahr. Erstmals startete Gose auch im Freiwasser – und feierte bei den Weltmeisterschaften in Singapur direkt einen WM-Titel mit der Mixedstaffel. „Das war schon etwas Besonderes, beim Debüt Gold zu feiern“, blickt sie zurück. 

Auch bei der EM in Paris wird Gose wieder doppelt gefordert sein. Dass die Kombination aus Becken- und Freiwasserevents mehr Energie kostet als zunächst erwartet, habe sie inzwischen gelernt. Trotzdem möchte sie dem Doppel nochmal eine Chance geben. 

Bei ihrer letzten EM-Teilnahme vor vier Jahren gewann Gose einen kompletten Medaillensatz und stand erstmals bei internationalen Titelkämpfen ganz oben auf dem Podium. Welche Ergebnisse diesmal möglich sind, möchte sie mitten aus der Vorbereitung heraus jedoch noch nicht prognostizieren: „Ich versuche natürlich, das Bestmögliche aus mir rauszuholen. Und dann schauen wir, wofür es reicht.“ Zu ihren stärksten Konkurrentinnen im Becken zählt erneut die Italienerin Simona Quadarella. Im direkten Duell gehe es für Gose aber nicht nur um die bessere Platzierung. Entscheidend sei auch, die bestmögliche Zeit ins Wasser zu bringen. 

Mit Blick auf die kommenden zwei Jahre bis zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles setzt Gose auf Kontinuität. „Die kleinen Stellschrauben bleiben die gleichen. Es ist klar, was noch verbessert werden muss und aber auch, was schon gut ist.“ Ob das Freiwasser auch langfristig Teil ihres Wettkampfprogramms bleibt, ist dagegen noch offen. Ebenso wie die Zeit nach Olympia, wenn im Sport traditionell die Karten neu gemischt werden. 

 

Bild: Tino Henschel