Mit drei JEM-Medaillen im Gepäck reist Linda Roth selbstbewusst zu den Europameisterschaften nach Paris – und hätte ihre Zeit im Juniorenbereich kaum erfolgreicher abschließen können. Bei den Titelkämpfen in München krönte sich Roth über die 200m Freistil zur Jugendeuropameisterin, verhalf der deutschen Lagen Mixedstaffel zu Silber und komplettierte ihren Medaillensatz mit Bronze über die 400m Freistil. Nun wartet mit der EM in Paris direkt die nächste große Herausforderung.
Dass die JEM in Deutschland stattfand, hatte die 18-Jährige zunächst mit gemischten Gefühlen aufgenommen. „Sonst ist es immer ein cooles Gefühl, wegzufliegen und unterwegs zu sein. Das hat immer etwas Besonderes“, erzählt sie. Doch schnell wurden auch die Vorteile des Heimspiels deutlich. Vor heimischer Kulisse konnte sie sich in München auf die Unterstützung ihrer Familie verlassen und aus dem Heimvorteil zusätzliche Motivation ziehen. „Ich bin sehr dankbar, meine Zeit im Juniorenbereich in Deutschland beendet haben zu können.“
Vor allem der Goldtriumph über die 200m Freistil sei ein ganz besonderer Moment und ein wichtiger Schritt in ihrer Karriere gewesen: „Da kriege ich jetzt noch ein bisschen Gänsehaut, wenn ich daran denke“, verrät Roth. Auch beim EYOF hatte sie schon mal die deutsche Hymne auf der internationalen Bühne erlebt. Aber auch die Silbermedaille mit der Staffel hat für die mehrfache Deutsche Meisterin einen enorm hohen Stellenwert.
Dass sie nach der JEM auch noch bei der Europameisterschaft in der offenen Klasse an den Start geht, war in dieser Saison das erhoffte Ziel. Trotz der wettkampfintensiven Wochen und der hohen Belastung sieht sich Roth in ihrer Entscheidung bestätigt. „Der Juniorenbereich hat einen ganz tollen Platz in meinem Herzen“, sagt sie. Gleichzeitig möchte sie jede Gelegenheit nutzen, internationale Erfahrungen auf höchstem Niveau zu sammeln.
Seit ihrem Wechsel an den Stützpunkt in Magdeburg vor gut einem Jahr, hat Linda Roth nochmals einen kräftigen Leistungssprung gemacht. Nachdem viele ihrer Trainingspartner aus Stuttgart in die USA wechselten, entschied sie sich ebenfalls bewusst für einen neuen Trainingsstandort und die Trainingsgruppe von Bernd Berkhahn. Die Eingewöhnung verlief schneller als erwartet: „Ich habe sowohl persönlich als auch schwimmerisch sehr schnell Anschluss gefunden. Mittlerweile fühlt es sich an, als wäre ich schon ewig hier.“ Vor allem die höheren Trainingsumfänge sowie zusätzliche Kraft- und Athletikeinheiten haben ihre Entwicklung weiter vorangebracht.
Keine deutsche Schwimmerin ist aktuell so vielseitig aufgestellt wie Linda Roth. Von den Freistil- und Lagenstrecken bis hin zu den 100m Rücken und 200m Schmetterling – auf zahlreichen Strecken gehört sie zur nationalen Spitze. „Ich finde es super, dass ich so vielseitig bin. Das war ich schon als kleines Kind“, erinnert sie sich. Noch möchte sie sich nicht auf eine bestimmte Strecke festlegen, sondern ihrem Ruf als Vielstarterin treu bleiben: „Ich bin gespannt, wo mein Weg hinführt.“ Entscheidend werde langfristig aber auch sein, auf welchen Strecken international die Chancen am größten sind.
Eine Lieblingsstrecke kristallisiert sich dennoch langsam heraus – ihre JEM-Erfolgstrecke, die 200m Freistil – auch wenn ihr dieses Event früher gar nicht so lieb war. „Da muss man von Anfang an super schnell schwimmen, das mochte ich früher nicht.“ Mittlerweile habe sich das verändert. Auch die 400m Freistil und 200m Lagen zählen inzwischen zu ihren Lieblingsstrecken.
Erste Erfahrungen auf der internationalen Bühne in der offenen Klasse sammelte Roth zuletzt bereits bei der Kurzbahn-EM in Lublin. Dort spürte sie sofort den Unterschied zum Juniorenbereich: „Man ist schon nochmal nervöser, wenn man von den ganzen großen Stars umgeben ist.“ Umso mehr profitiert sie inzwischen von dem täglichen Training mit der Olympiadritten Isabel Gose, die seit vielen Jahren ein Vorbild ist. „Ich bin schon ein Isabel Fan-Girl“, gibt Roth zu. International bewundert sie außerdem Superstar Summer McIntosh, die ebenfalls durch ihre Vielseitigkeit beeindruckt. Auch die Australierinnen Mollie O’Callaghan und Lani Pallister zählen zu ihren Vorbildern.
Mit großen Erwartungen setzt sich Roth vor ihrer ersten Langbahn-EM dennoch nicht unter Druck. „Dadurch, dass es meine erste EM ist, fahre ich erstmal hin, um Spaß zu haben, Erfahrungen zu sammeln und das ganze Team kennenzulernen. Aber natürlich hofft man schon auf den ein oder anderen Platz im Halbfinale oder Finale.“
Die Möglichkeiten dazu wird sie reichlich bekommen. Fest eingeplant sind Starts über die 100m Freistil sowie über die 200m und 400m Lagen. Hinzu dürften mehrere Staffeleinsätze und möglicherweise auch Einzelstarts über die 200m und 400m Freistil kommen. Ganz typisch wartet auf Linda Roth auch in Paris wieder ein straffes Wettkampfprogramm, wo sie nach der so erfolgreichen JEM nun auch auf der großen europäischen Bühne den nächsten Schritt machen möchte.
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