Berlin will seine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele zurückziehen. Das verkündeten Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU), die Innensenatorin und der Olympia-Beauftragte nach einer Besprechung am Mittwoch. Nachdem die Partei „Die Linke“ am vergangenen Wochenende den Sieg bei der Wahl des Abgeordnetenhaus errungen hat, stand die Bewerbung für die Hauptstadt bereits vor der neusten Ankündigung des noch regierenden Bürgermeisters Wegners vor dem Aus.
Berlin hatte sich gemeinsam mit Brandenburg, Sachen und Mecklenburg-Vorpommern um die Ausrichtung der Spiele 20236, 2040 oder 2044 bemüht. Jedoch zeichnete sich bereits ab, dass Berlin laut dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) seinen Mitkonkurrenten um die Bewerbung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) unterlegen sein könnte. In einem Zeugnis der Prüfer des DOSB erhielt Berlin mit 74,6 Zählern die Note „gut“. München und Köln / Rhein-Rhur, die beiden anderen deutschen Bewerber, bekamen hingegen 87 bzw. 85 von 100 möglichen Punkten und erzielen damit die Note „sehr gut“. München und Köln / Rhein-Rhur hatten zusätzlich bei einem Referendum großen Zuspruch durch die Bevölkerung erhalten. In Berlin fand eine Bürgerbefragung nicht statt.
Nachdem am vergangenen Wochenende die Linke bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus mit 25,7 Prozent die meisten Stimmen erhalten hatte, wurde die Olympiabewerbung bereits unwahrscheinlicher. Die Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, lehnte diese nämlich schon vor der Wahl am Samstag ab. Auch nach dem Bekanntwerden der Wahlergebnisse hielt Eralp an ihrer Position fest. Die bisherige Regierung in Berlin hingegen hatte eine Olympia-Bewerbung befürwortet.
Eralp will die Steuergelder lieber in das Vorgehen gegen die Mietenkrise in der Metropole stecken. Die bisher rund sechs Millionen Euro, die in die Bewerbung geflossen sind, hält die Politikerin für „Steuergeldverschwendung“. Auch ihr Parteikollege Tobias Schulze erklärte: „Das Scheitern der Olympiabewerbung geht vor allem auf das Konto des schwarz-roten Senats. Berlin kann sich Olympia schlicht nicht leisten“. Gegenwind kam unter anderem von Stefan Evers, dem Spitzenkandidaten der CDU bei der Berlin-Wahl. Er behauptete, Berlin verpasse durch eine Olympia-Absage „Milliarden-Zuschüsse“ für Sport, Infrastruktur und Stadtentwicklung.
Am kommenden Samstag, 26. September, wird bei einer Mitgliederversammlung des DOSB in Baden-Baden final abgestimmt, welchen Bewerber Deutschland beim IOC ins Rennen schickt. Nachdem Berlin nun aller Voraussicht nach nicht zur Wahl stehen wird, fällt die Entscheidung zwischen München und Köln / Rhein-Rhur.
Bild: Archivbild